Oberschlesien, Mitte der 1960er-Jahre. In den Industriestädten rund um Katowice wächst die Angst. Frauen werden auf einsamen Heimwegen angegriffen, mehrere von ihnen sterben. Der unbekannte Täter schlägt scheinbar ohne klares Muster zu. In der Bevölkerung bekommt er bald einen Namen: der „Vampir von Schlesien“.
Die Mordserie trifft einen Staat, der nach außen Sicherheit und Ordnung verkünden will. Ein Serienmörder passt nicht in das offizielle Bild des sozialistischen Polen. Doch der öffentliche Druck steigt – besonders, nachdem eines der Opfer mit der politischen Führung des Landes verbunden ist.
Mit der „Operation Anna“ beginnt eine der größten Fahndungen der polnischen Kriminalgeschichte. Zehntausende Männer werden überprüft, Fragebögen ausgewertet und sogar ein früher Großrechner eingesetzt. Ermittler suchen nach Gemeinsamkeiten, erstellen Täterprofile und setzen Lockvögel ein. Trotzdem bleibt die entscheidende Spur lange aus.
Schließlich gerät Zdzisław Marchwicki in den Mittelpunkt. Gegen ihn und mehrere Angehörige wird ein aufsehenerregender Prozess geführt. Die Verhandlung findet vor großem Publikum statt, die Urteile sind hart. Marchwicki wird als der gesuchte Täter verurteilt und 1977 hingerichtet.
Doch nach dem Ende des Sozialismus werden Akten neu bewertet. Widersprüche in Aussagen, fragwürdige Geständnisse und der politische Druck auf die Ermittlungen nähren Zweifel. War Marchwicki tatsächlich für die gesamte Mordserie verantwortlich – oder brauchte der Staat vor allem einen präsentierbaren Schuldigen?
Diese Folge von Spannende Wahrheiten rekonstruiert die Jagd auf den „Vampir von Schlesien“, den Prozess und die offenen Fragen, die bis heute geblieben sind.